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Erfolg und Tragik liegen oft nahe beieinander. Das zeigt sich bei wenigen deutlicher, als beim Modegenie Yves Saint Laurent.

Yves Saint Laurant

Yves Saint Laurents Geschichte beginnt am Mittelmeer, genauer: an der algerischen Mittelmeerküste, wo er in der familieneigenen Villa aufwächst. Mit 18 Jahren verlässt Yves seine Heimat und zieht nach Paris, wo er sich in die Chambre Syndicale de la Haute Couture einschreibt, so etwas wie die Berufskammer der Modeschöpfer.

Schon bald wird man auf sein Talent aufmerksam, Michel De Brunhof, der Herausgeber der Vogue, stellt ihn deshalb Christian Dior vor, der ihn unter seine Fittiche nimmt. Dior wird in den folgenden Jahren zu Saint Laurents Meister und bleibt eine der großen Inspirationsquellen.

Mehr noch: Nach Diors Tod ist es Yves, der die Leitung von dessen Atelier übernimmt und diese bis 1960 innehat. Dieses Jahr wird zu Saint Laurents Schicksalsjahr: er wird in die Armee eingezogen, um im Algerienkrieg zu kämpfen, doch für das Soldatenleben ist der fragile Yves nicht geschaffen. Nach gerade einmal 20 Tagen wird er mit einem posttraumatischen Stresssyndrom ins Krankenhaus eingeliefert, wo er zudem erfahren muss, dass er bei Dior in der Zwischenzeit auf die Straße gestellt worden ist.

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Das ist zu viel: Saint Laurent bricht zusammen und wird in die Psychiatrie verlegt, um dort mit Psychopharmaka und Elektroschocks behandelt zu werden. Der Modeschöpfer wird später diese Wochen als Ursache für psychischen Probleme und Drogenabhängigkeit benennen.

Nach seiner Entlassung gibt sich Yves trotzdem kämpferisch. Er ficht seine Entlassung bei Dior gerichtlich an und gewinnt die Causa, kehrt aber nicht in das Unternehmen zurück, sondern macht sich gemeinsam mit seinem Partner Pierre Bergé selbständig.

In den folgenden Jahren wird die Marke Yves Saint Laurent zum Inbegriff moderner Eleganz. Die neuen Wege, die man beschreitet, verleihen dem Unternehmen das Image, den Trends stets voranzugehen, zudem wird der Grat zwischen Mode und Kunst immer schmaler. Er ist zu guter Letzt so schmal, dass Yves Saint Laurent der erste Modeschöpfer ist, dessen Werke im Metropolitan Museum in New York ausgestellt werden.

Wie Coco Chanel hat auch Saint Laurent einen ganz eigenen Stil geschaffen. Dies ist auch der Erkenntnis zu verdanken, dass die Haute Couture sich nicht von der Straße weg-, sondern sich auf diese zubewegen musste. Nur so konnte man aus dem Teufelskreis des Selbstreferenziellen ausbrechen.

Innovation und Nonkonformismus wurden so bald schon zum Markenzeichen. So war es Yves Saint Laurent, der es – lange vor Armani – als erster gewagt hat, Kleidungsstücke aus der Herrengarderobe in die Damenmode zu übertragen. Blazer und Smoking, Trenchcoat und Lederjacke bekamen so einen femininen Touch und gehören heute wie selbstverständlich in den Kleiderschrank einer Frau.

Und noch etwas zeichnet Yves Saint Laurent aus: In seine Mode haben nicht nur mittel- und südeuropäische Anleihen Eingang gefunden. Zum ersten Mal bekommt die Mode einen Multikulti-Anstrich mit Inspirationen aus Kultur und Folklore aus aller Welt.

Es war demnach Yves Saint Laurent, der es geschafft hat, die Mode mit den Visionen des 20. Jahrhunderts zu verbinden – und sie zur Kunst zu erheben.